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Träume und Wirklichkeiten

Träume und Wirklichkeiten

 

„Träume sind Schäume“ ist ein geflügeltes Wort im Deutschen, und wenn man von einem Traumtänzer spricht, meint man meist ein der Wirklichkeit entrückten, realitätsfremden Menschen. Traum und Wirklichkeit, ist das nicht ein krasser Widerspruch? Hat träumen einen Sinn in unsrer Wirklichkeit? Kommt doch das Wort „träumen“ etymologisch von Trug, trügen her. Hält sie uns nicht mehr von unserer Wirklichkeit ab. Diese Auffassung ist in unserer westlich-rational geprägten Gesellschaft häufig verbreitet und es ist dringend nötig, sagt man, dass wir aus unsern Träumen aufwachen. Aber nicht zu allen Zeiten und alle Kulturen sehen es so. Das älteste bisher gefundene Buch zur Traumdeutung wurde im alten Ägypten schon 2000 Jahre v. Chr. geschrieben, die Buschmänner in Afrika erzählen noch heute nach dem Aufwachen als erstes sich gegenseitig ihre Träume und die Aborigenes in Australien, eine der ältesten Kulturen der Welt, sehen in der Traumzeit eine andere Wirklichkeit, in der sie mit der Natur, den Tieren und ihren Ahnen kommunizieren.

 

Es gibt verschiedene Arten von Träume. Ihnen allen gemeinsam ist aber, dass sie uns einen Zugang zu anderen Ebenen ermöglichen, als wir sie aus unserem täglichen Leben kennen.

 

In vielen Religionen werden die Träume als Möglichkeit gesehen, mit dem Göttlichen in Kontakt zu kommen oder etwas über die Zukunft zu erfahren. Die Bibel ist voller Geschichten von Träumern: Abraham, Jakob, Moses, Maria sind nur einige davon. (Eugen Drewermann sagt dazu: Die Träume des Menschen für wahrer zu nehmen als die sogenannte Realität, ist der Ursprung aller Religiosität“)

 

Um 1900 herum gab Freud den Träumen eine weitere Bedeutung, indem er sie als Zugang zum Unbewußten entdeckte. Das was wir verdrängen, den Tag über ausschalten, sucht sich in den Träumen seinen Raum und kann so uns einen neuen Zugang zu uns selbst geben. Träume sind Gedanken des Herzens, Ausdruck der Gefühle und des Seelischen. In ihnen verarbeiten wir die erlebte Welt. Wir wissen, das wir mit Problemen besser fertig werden, wenn wir sie überschlafen. Die Träume können u.a. dadurch wirksam werden, dass das träumende Gehirn, der Außenwelt keine Aufmerksamkeit schenken braucht und sich so ganz auf die Innenreize konzentrieren kann. „Im Schlaf wendet sich jeder seinereigenen Welt zu. “ (Heraklit) . Und die Außenwelt, die Wirklichkeit? Sind wir nicht in Gefahr sie in unsern Träumen zuverlieren?- Aber haben wir sie überhaupt, gibt es diese eine alles bestimmende Wirklichkeit? Wenn sie den Menschen auch nur einer Familie zuhören, werden sie erfahren, wie unterschiedlich sie die Welt wahrnehmen. Die Wirklichkeit, in der wir leben, ist auch immer eine zutiefst subjektive, selbstempfundene Wirklichkeit, und diese bewegt uns zu handeln. Auch die westlichen Naturwissenschaften gehen heute davon aus, dass es nicht nur eine sondern unendlich viele Wirklichkeiten gibt und unser Bewußtsein in der Art, wie es wahrnimmt, die Wirklichkeit miterschafft.

 

Und wen wir weiterfragen, besteht nicht auch eine Gefahr in der Wirklichkeit ohne Träume? Manche Erfindungen sind im Traum gemacht worden. Heute sprechen wir im modernen Management davon, dass wir für unsere Arbeit Leitziele brauchen, Visionen und eine Cooperate idendity. Viele rufen danach, dass in unserer Gesellschaft wieder Werte gefunden und ihren Raum bekommen müssen – ist das nicht vielleicht auch unsere verkopft-westliche Weise, um von Träumen zu reden.

 

Als ich studierte stand in der Nähe unserer Wohngemeinschaft ein Spontispruch auf einer Hauswand: „Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen, ich schulde ihnen noch mein Leben“. Dieser Spruch hat mich sehr beeindruckt. Sagte er doch, dass Träume uns zum Leben auffordern, uns ermuntern, sie in der Wirklichkeit Gestalt annehmen zu lassen und wir keine Angst vor ihnen zu haben brauchen. Es geht darum, die Fragen des Lebens an uns zu verstehen, und in dieser Weise Traum und Wirklichkeit miteinander zu verbinden.

 

 

 

 

Träume und Wirklichkeiten:

Wir, von der Erziehungsberatungsstelle  haben uns dieses Motto zur Feier unseres zehnjährigen Bestehens gewählt, weil es ein wenig von unserer Arbeit erzählt.

 

Einige Menschen, die zu uns kommen, haben wenig oder keine Träume mehr. Manche können Perspektiven für sich nicht mehr umsetzen, fühlen sich leer und freudlos. Meist gibt es für sie nur noch eine Wirklichkeit, die sie im Kreise führt, in Sackgassen lenkt, Probleme verstärkt. Andere leben in ihrer ganz eigenen Welt, kontaktlos zu andern, versuchen ihren Traum von der heilen Welt zu retten.

 

Wir sehen unsere Aufgabe darin, mit den Menschen, die zu uns kommen, uns auf den Weg und die Suche nach ihren Träumen und Möglichkeiten zu machen, und sie zu unterstützen und zu begleiten, ihnen Mut zu machen, sich der Wirklichkeit zuzuwenden und aktiv gestaltend in ihr wirken zu können.

 

 

 

Träume, was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie das Wort „Träume“ hören?

 

Lebensträume, die große Traumreise, eigene Ziele zu Beginn der Arbeit, der Ehe, der Familie, Ihre heutigen Wünsche, der Traum der letzten Nacht, frühere Alpträume oder wie Sie vielleicht einmal auf einer Wiese lagen, mit dem Blick in die Wolken verweilten...?

 

All das meinen wir, wenn wir von Träumen sprechen. Träume leben im Raum der Weite. Sie sind die Flügel der Freiheit, Gedanken des Herzens, Ausdruck der Gefühle und der Wünsche. Träume – sie sind, dass wissen wir spätestens seit Freud, auch die Sprache des Unbewußten, des Verdrängten, des Fehlenden, Nichtwahrgenommen. Träume sind der Motor des Lebens. Träume geben Anstoss zu Veränderung und Entwicklung. In ihnen verarbeiten wir die erlebte Welt und finden Ziele und Richtungen für unser Leben. Wenn wir uns unsern Träumen zuwenden, nehmen wir uns selbst ganz intensiv wahr, nehmen Kontakt zu uns auf und spüren uns selbst.

 

 

 

Und die andern, die Außenwelt, die Wirklichkeit? Wenn wir in den Träumen bleiben, ohne Kontakt, beziehungslos, nur träumen und nicht zupacken, schwärmen ohne einzustehen, laufen wir in Gefahr uns in den Träumen zu verlieren.

 

Wirklichkeit - Wirklichkeiten.

 

Uns war wichtig, bei unserem Motto deutlich zu machen, dass es nicht nur eine Wirklichkeit gibt. Wenn Sie den Menschen auch nur einer Familie zuhören, werden Sie erfahren, wie unterschiedlich sie die Welt wahrnehmen. Wie jeder von ihnen zutiefst eigene, selbstempfundene Wirklichkeit erlebt, die ihre Wahrnehmung bestimmt, sie entscheiden und handeln läßt.

 

Es geht darum die eigene Wirklichkeit zu erkennen und sich dann den andern zuzuwenden, sich auszudrücken, sich mitzuteilen, bereit zu sein, sich in ihre Wirklichkeit einzufühlen. Im Austausch der Träume und Wirklichkeiten kann gemeinsam gerungen, verändert und entwickelt werden. Verlieren wir diesen Austausch, stehen wir in Gefahr, uns zu schnell mit einer fertigen Wirklichkeit abzugeben, die dadurch, dass wir meinen sie nicht mehr verändern zu können, erst entsteht?

 
 

Träume und Wirklichkeiten, - in diesem Spannungsfeld geschieht unsere Arbeit.

 

Ich erlebe „Träume und Wirklichkeiten“ wie Spiel- und Standbein des Lebens. Und – es ist eine Binsenweisheit - wir brauchen beide Beine, um gehen zu können: Wir brauchen die Träume, das Spielbein, für den offenen Blick, für die Sehnsüchte und Gefühle, für die Möglichkeit, sich auszuprobieren und zu verweilen, für die Chance, sich in neuen Dimensionen aufzuschwingen. Und wir brauchen die Wirklichkeit, das Standbein, für die Festigkeit und Erdung, um fest auf den Boden stehen zu können, für den Halt und den Kontakt zu der Umwelt, zu den Mitmenschen.

 

Träume und Wirklichkeiten - Spiel- und Standbein des Lebens.

 

Träume dein Leben und lebe Deine Träume.