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Motivation

 

Motivation

 

 

Das Teilgebiet der Motivation befasst sich mit den Beweggründen menschlichen Handelns, mit den Antrieben.

Der Begriff der `Motivation` ist wie viele Begriffe der Psychologie ein hypothetische Konstrukt und dient der Beschreibung „des Prozess der Verhaltensaktivierung hinsichtlich der Richtung, Ausdauer und Intensität des Verhaltens“. Unter dem Begriff des „Motivs“ wird ein wiederkehrendes Anliegen, der Beweggrund verstanden. Motivation, Emotion und Kognition beeinflussen sich gegenseitig.

Im folgenden soll eine Gliederung der Theorien zur Motivation hinsichtlich der verschiedenen psychologischen Schulen erfolgen und einige Theorien genauer dargestellt werden.

 

Einteilung der Theorien

 

* Persönlichkeitstheoretische Modelle (im engeren Sinn)

- instinkttheoretische Modelle

- psychoanalytische Modelle

- andere persönlichkeitstheoretische Modelle (u.a. Maslow)

* behavioristischer(lerntheoretischer) Ansatz

* kognitiv- und handlungstheoretische Ansätze 

- Erwartungs-mal-Wert-Theorien

- Attributionstheorie

 

 

I.) PERSÖNLICHKEITSTHEOETISCHE MODELLE

 

 

a.) Instinkttheoretische Modelle

 

  • Frühe Modelle erschöpften sich weitgehend in einer Aufzählung (Taxonomie) der angenommen Instinkte des Menschen. McDougall ging z.B. von den Instinkten der Flucht, Abwehr, Aggression, Selbstaufgabe, Selbsterhöhung, Elterninstinkt, Reproduktion, Ernährung, Herdentrieb, Gewinnstreben, Aneignung und Konstruktion aus. In der Folge wurden dann für neue Verhaltensweisen, die nicht mit einem bisherigen Instinkt erklärt werden konnten, neue Instinkte postuliert. Durch die immer weitere Hinzufügung von weiteren Instinkten wurden die Taxonomien letztlich tautologisch, d.h. es kam zum Zirkelschluss folgender Art: Man sagte z.B., dass Person X so handle, weil der Trieb y aktiviert worden ist, mit dem Trieb y beschrieb man aber weiter nichts als die zu erklärende Verhaltensweise. Man sagte z.B.: „Er spielt, weil er einen Spieltrieb hat, tanzt, weil er einen Tanztrieb hat.“ Bernard kam letztlich auf nicht weniger als 14 046 angenommene Instinkte...
  • Lorenz, ein berühmter Vertreter des ethologischen Ansatz (vergleichenden Verhaltensforschung), übertrug Beobachtungen aus dem Tierreich auf den Menschen. Er erklärte z.B., dass durch bestimmte Schlüsselreize angeborene Auslösemechanismen aktiviert werden, die dazu führen das ein bestimmtes Verhalten gezeigt wird, (unter der Voraussetzung, dass das Individuum eine momentane Bereitschaft hierfür zeigt).

 

b.) Psychoanalytische Ansätze

 

Im folgenden soll das Modell von Freud, dem Vater der Psychoanalyse, kurz dargelegt werde. Freud entwarf ein Triebreduktionsmodell: Die Triebenergie sammelt sich nach dem Modell kontinuierlich an, bis sie zu einem Übermaß kommt und Triebenergie abgegeben wird, bis es wieder zu einem erträglichen Maß wird und sich im folgenden dann weitere Energie ansammelt. Das Modell wurde auch als Dampfkesselmodell bezeichnet. Wie durch das Feuer unter dem Kessel sich immer weiterer Dampf sammelt, sammelt sich die Triebenergie, um dann bei Überdruck abgegeben zu werden. Freud ging am Anfang von einem lebensbestimmenden Trieb, der „Libido“ (Sexualtrieb/Lebenstrieb) aus und ergänzte sein Modell später um den Aggressions- oder Todestrieb. Die Triebentwicklung durchläuft mehrere sogenannte psychosexuelle Phasen: orale -, anale - , ödipale- , Latenz- und genitale Phase. Mit diesem Phasenmodell werden wir uns später in der Persönlichkeitspsychologie genauer beschäftigen.

 

c.) weitere persönlichkeitstheoretische Modelle

Von der Vielzahl weitere Modelle soll im folgenden der Ansatz von Maslow dargestellt werden. Maslow beschreibt eine Bedürfnishierachie. Am unteren Ende stehen physiologische Bedürfnisse (z.B. Sexualität, Hunger), es folgen Sicherheitsbedürfnisse (z.B. Sicherheit vor Schmerz, Furcht usw. und Bedürfnis nach Ordnung, schützender Abhängigkeit), dann Soziale Bindungsbedürfnisse, darauf das Selbstachtungsbedürfnis (Bedürfnis nach Geltung, Leistung, Zustimmung) und an der Spitze der Hierarchie das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. Maslow postuliert, dass erst, wenn die unteren Bedürfnisse der Hierarchie hinreichend befriedigt sind, die nächst höheren Bedürfnisse aktiviert werden können.

  Bedürfnishierachie nach Maslow

 

 

II.) BEHAVIORISTISCHER ANSATZ

 

In der klassischen Lerntheorie wurde keine, eigene selbständige Teiltheorie der Motivation entwickelt. Motivationale Prozesse werden über das Prinzip der Verstärkung und mittels den Lerngesetzen erklärt. (vgl. Skript „Lernen“). Die Verstärkung basiert darauf, dass das Individuum eine angenehm erlebte Konsequenz erfährt. Durch Koppelung von ehemals neutralen Reize an positive Erlebnisse, Verstärkungen können die ehemals neutralen Reize zu sekundären Verstärker werden (vgl. Prinzip der sekundären Konditionierung). Als ursprünglich verhaltensbestimmend, d.h. ohne vorherige Konditionierungsprozesse wurden lediglich physiologische Bedürfnisse (wie Hunger) akzeptiert. Später erfolgte in der Theorienbildung ein Übergang zur Erwartungs-mal-Wert-Theorie.

 

 

 

III.) KOGNITIV- UND HANDLUNGSTHEORETISCHE ANSÄTZE

Die Grundannahme der kognitiv und handlungstheoretischen Ansätze besagt, dass Aktivität entsteht aufgrund von kognitiven (verstandesmäßigen) Vergleichs-, Bewertungs- und Interpretationsprozessen.

 

a.) Erwartungs-mal-Wert-Theorie

Die Aktivierung des Verhaltens in eine bestimmte Richtung erfolgt aufgrund von rationalen Bewertungsprozessen. Hierbei wird berücksichtigt, welcher subjektive Wert eines bestimmten Handlungsergebnis zugeordnet wird und mit welcher Wahrscheinlichkeit man erwartet, dass das gewünschte Handlungsergebnis nach der Handlung tatsächlich eintritt. Motivation erfolgt quasi nach einer Kosten-Nutzen-Analyse.

Wie der Name der Theorie schon sagt, werden die beiden Faktoren Wert und Erwartung (eingeschätzte Erfolgswahrscheinlichkeit) miteinander multiplikativ verknüpft. Eine Handlung wird - der Theorie zufolge - dann ausgeführt, wenn ihr Produkt von „Erwartung mal Wert“ von den zur Verfügung stehenden Handlungsmöglichkeiten am größten ist.

Diese einfache mathematische Verknüpfung wurde von den verschiedenen Theoretikern noch jeweils spezifiziert und ausdifferenziert. Hull, z.B., nannte als weitere Variable die Gewohnheitsstärke (Habit-Bildung) und wollte damit beschreiben, daß handlungsregulierend auch der Sachverhalt ist, welche Handlung gewohnheitsmäßig ausgeführt wird.

 

b.) Attributionstheorie

Der Name „Attribution“ bedeutet Zuschreibung. Mit der Attributionstheorie wird beschrieben, dass je nachdem wie eine Situation von dem Individuum nterpretiert wird, unterschiedliche Handlungsaktivierungen erfolgen.

Schachter & Singer führten z.B. folgenden Versuch durch: Sie gaben den Versuchspersonen (Vpn) eine Adrenalinspritze, die zu einer allgemeinen körperlichen Aktivierung führt. Die Vpn bekamen gesagt, dass bei der Untersuchung die Wirkung von Vitaminpräparaten auf die Fähigkeit des Dunkelsehens überprüft werden sollten. Der einen Hälfte sagte man noch, dass eine Nebenwirkung des Präparates eine körperliche Aktivierung sei, die anderen Vpn bekamen diese Mitteilung nicht, bzw. Aussagen über andere unzutreffende Nebenwirkungen. Die Vpn warteten dann im Wartezimmer, wobei ein Helfer des Versuchsleiter, als weitere Vp (Versuchsperson) getarnt, entweder sich sehr fröhlich oder sehr verärgert benahm. Die Vp, die nicht über die körperlich aktivierende Folge der Spritze informiert worden waren, schätzen sich nun je nach Bedingung ihrerseits fröhlicher oder verärgerter ein, die informierten Vpn beschrieben sich distanziert und ohne große Emotionen. Je nachdem auf welche Ursachen die Vpn ihre körperliche Erregung zurückführten, zeigten sie eine unterschiedliche emotionale Reaktion.

Valenz, ein weiterer Forscher, belegte in seinem Versuch, dass es noch nicht einmal einer tatsächlichen körperlichen Aktivierung bedarf, um Gefühlsprozesse auszulösen. Er zeigte männlichen Vpn Bilder von halbnackten Frauen. Gleichzeitig bekamen die Vpn Töne zu hören, über die dem einen Teil der Vpn gesagt wurde, dass es sich hierbei um ihre Herztöne handele, den anderen wurden die Töne als bedeutungslos beschrieben. Hinterher sollten die Vpn die Attraktivität der Nacktbilder einschätzen. Die Vpn, die die Töne als Herztöne interpretiert bekommen hatten, bevorzugten die Bilder, bei denen eine Veränderung des vermeintlichen Herzschlages simuliert worden war.

 

Dass unsere Interpretation einer Situatoin unser Handeln bestimmt, erfahren wir immer wieder. Wir reagieren z.B. anders, wenn wir ein störendes Verhalten eines Mitmenschen als ein Missgeschick oder als absichtliche gegen uns gerichtete Provokation erleben.

Verschiedene Forscher haben sich nun damit beschäftigt, nach welchen Prinzipien und Regeln wir bestimmte Attributionen und Situationsbewertungen vornehmen.

 

  • Kelly hat in seinem Kovarianzmodell beschrieben nach welchen Kriterien ein Individuum die Ursache der Handlung der Person, den Begleitumständen oder der eigentlichen Situation / Kernsituation (Entität) zuschreibt. Er geht davon aus, dass hierzu Informationen über die Besonderheit (wie häufig, ungewöhnlich x ist), über die Konsistenz uuml;ber die Zeit (wie stabil x immer wieder auftritt) und über den Konsens ( wie hoch die Übereinstimmung ist, dass x nicht nur bei mir sondern auch bei den andern auftritt).

 

 

Information über

 

Besonderheit

Konsens

Konsistenz

Lokalisierung der Ursache

 

 

 

in Entität

hoch

hoch

hoch

Umstände

hoch

niedrig

niedrig

Person

niedrig

niedrig

hoch

 

 

Die Ursache einer Gegebenheit wird z.B. der Person zugeordnet, wenn die Besonderheit der Situation niedrig ist, sie über die Zeit hinweg stabil auftritt, aber die Übereinstimmung mit andern gering ist. Je nachdem welche Informationsquelle dem Individuum zur Verfügung steht und es bearbeiten kann, können aufgrund der unterschiedlichen Attributionsmuster unterschiedliche Motivationen und Verhaltensmuster entstehen. Entwicklungspsychologisch sind Kinder ab ca. drei Jahren in der Lage Konsistenz- und Besonderheitsinformationen zu verarbeiten und beachten erst ab ca. 8 Jahren Konsensinformationen.

  

 
  • Weiner hat die Ergebnisse der Attributionsforschung auf die Leistungsmotivation übertragen. Er entwarf ein Modell, mit dessen Hilfe bestimmt werden kann, wann eine Person ein Leistungserfolg oder Mißerfolg der eigenen Fähigkeit, der eigenen Anstrengung, der Aufgabenschwierigkeit oder dem Zufall zuordnet. Für die Zuordnung unterschied er, ob der Ort der Verursachung zum einen als internal oder external und zum andern das Geschehen als stabil oder variabel angesehen wird. Es ergab sich, experimentell bestätigt, folgendes Schema:

 

Lokalisation der Ursache

internal

external

stabil

Fähigkeit

Aufgabenschwierigkeit

variabel

Anstrengung

Zufall

 

Menschen unterscheiden sich, größtenteils unabhängig von ihrer Ausgangsleistung, ob sie eher misserfolgsängstlich oder erfolgszuversichtlich sind. Erfolgszuversichtliche Menschen gehen eher auf Aufgaben zu, sind motivierter sie zu lösen als misserfolgsängstliche Menschen. Es zeigt sich das erfolgszuversichtliche Menschen Erfolg eher auf internale Faktoren, vor allem auf Fähigkeit und Misserfolg auf variable Faktoren mangelnde Anstrengung als auch Zufall zurückführen. Misserfolgsorientierte Menschen schreiben Erfolg eher external variablen Faktoren (Zufall) und Mißerfolg internal stabilen Faktoren (Fähigkeit) zu. Je nachdem welche Ursachenzuschreibung einer Person nahegelegt wird, kann bei einer Person eher ein misserfolgsängstliches oder erfolgszuversichtliches Verhaltensmuster gestützt werden. Durch spezielle Trainingsprogramme konnten die Attributionsmuster von Trainierten und damit ihre allgemeine Motivation zum Herangehen an Aufgaben verändert werden. Durch die Programme wird u.a. die Anstrengungsbereitschaft gefördert.

Es gibt weitere Theorien die mit der Attributionstheorie verwandt sind oder diese spezifizieren. Zu ihnen gehört die Theorie der kognitiven Dissonanz, die im folgenden kurz dargestellt werden soll.

  • Festinger geht in seiner Theorie der kognitiven Dissonanz davon aus, daß der Mensch bestrebt ist ein konsistentes und in sich stimmiges Gedankengebäude zu haben, oder anders gesagt, dass die kognitiven Repräsentationen konsistent und kongruent sind. Beziehungen zwischen Kognitionen können nun konsonant (stimmig), irrelevant (nicht einander betreffend) oder dissonant (widersprüchlich) sein. Bei Auftreten von Dissonanzen versucht der Mensch sie zu reduzieren, indem er z.B. die dissonanten Elemente ändert, dem hinzugekommenen dissonanten Element Bedeutung abspricht, weitere Element hinzufügt, mit diesen quasi puffert.
    So wird jemand der gerne ein bestimmtes Gericht ist und gesundheitsbewußt ist, und dann erfährt, dass das Gericht langfristig Krebs fördert seine kognitive Dissonanz z.B. dadurch reduzieren können, indem er sagt, dass er das Gericht ja eigentlich gar nicht so gerne mag (ein kognitives Element verändern), oder darlegen, dass die Information bestimmt nicht wissenschaftlich geprüft ist (dissonantes Element entwerten) oder vielleicht behaupten, dass er Genuss auch gesundheitfördernd ist (weiteres Element hinzufügen).

 

 

Literatur:

Vergleiche:

Heckhausen, Heinz  1980,  Motivation und Handeln Lehrbuch der Motivationspsychologie, Springer Verlag 

    Allgmeines Übersichtsbuch zur Motivationspsychologie, in dem Buch finden Sie auch Quellenangaben für die beschriebenen Modelle