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Denken

Denken

Definition

Der Begriff „Denken“ ist schwer zu definieren, da es sich hierbei um einen geistigen Vorgang handelt, der nicht beobachtbar ist. Im Verlaufe der Denkprozesse werden Informationen erfaßt und verarbeitet. Denken kann auch beschrieben werden als: nicht direkt beobachtbare, spezifisch menschliche Fähigkeit der Erfassung und geistigen Repräsentation der Wirklichkeit, der Problemlösung als Mittel der Anpassung an die Wirklichkeit sowie die Erfindung und Erkenntnis der Möglichkeiten des Umgangs mit der Wirklichkeit.

Im folgenden werden einige ausgewählte Gebiete der Denkpsychologie kurz beschrieben. Es handelt sich hierbei um:

  • Begriffsbildung und Regellernen

  • Problemlöseprozesse

  • Informationsverarbeitungsprozesse

  • Aufmerksamkeit

Ein wichtiges, weiteres Gebiet sind Urteils- oder Bewertungsprozesse.

 

 

Begriffsbildung und Regellernen

Ein Begriff steht für eine ganze Gruppe oder Klasse von Merkmalen, Zusammenhängen oder Beziehungen. Wenn z.B. das Wort „Stuhl“ genannt wird, haben wir eine bestimmte Vorstellung von dem, was wir unter einem Stuhl verstehen, ohne einen bestimmten Stuhl zu meinen. Wir haben quasi einen Prototyp eines Stuhls im Kopf, der bei Nennung des Begriffs aktiviert wird. Begriffe können unterschiedlich konkret oder abstrakt sein (z.B. Begriff „Apfel“ oder „Phantasie“). Wenn Begriffe neu gelernt werden sollen, sollte zu Beginn die Gesamtheit der typischen Merkmale von Gegenständen, die dem Begriff zugeordnet sind, vereinfacht dargestellt werden. Man kann dabei lernen anhand von positiven Fällen, d.h. der Aufzählung unterschiedlicher zu dem Begriff gehörender Objekte. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Beispiele anzubieten, die dem Begriff nicht zugehören, also sich von dem Begriff abgrenzen. Hierbei wird an negativen Fällen gelernt. Regeln sind Verknüpfungen von Begriffen und machen das aus, was im allgemeinen als „Wissen“ bezeichnet wird. Sie stellen die Beziehungen zwischen den Begriffen in all ihrer möglichen Vielfalt dar.

Regelbeispiele sind z.B.:

  • Vögel fliegen

  • Fremde, erwachsene Menschen siezt man.

  • Ist das Hauptwort weiblich im Nominativ, heißt der zugehörige Artikel „die“.

Für die Abspeicherung der Begriffe im Langzeitgedächtnis gibt es verschiedene Modelle.

  • Collins & Quillian geben in ihrem Netzwerkmodell von einer hierarchischen Abspeicherung der Begriffe aus. Je länger der Verbindungsweg zwischen zwei Begriffen ist, um so länger ist die Reaktionszeit, wenn entschieden werden soll, ob die Begriffe zueinandergehören.

                     Tier             ----      lebt                                       Dem Modell zufolge, und auch durch Praxistest bestätigt, ist die Raktionszeit auf  die Frage

                      ¦                                                                        ob ein Kanarienvogel gelb ist kürzer als auch die Farge , ob ein Kanarienvogel lebt. 

                     Vogel           ----       fliegt

                       ¦ 

                Kanarienvogel    ----        singt 

  • Im Merkmalsvergleichsmodell von Smith u.a. wird angenommen, dass die Oberbegriffe durch Vergleich mit anderen Begriffen abgespeichert werden. Es wird hierbei zwischen definierenden (notwendigen) und charakteristischen (zusätzlich charakterisierenden, hinreichenden) Merkmalen unterschieden, die bei der Begriffserkennung verglichen werden.

  • Im Aktivationsausbreitungsmodell von Collins & Collins werden Begriffe nach dem Ähnlichkeitsprinzip verschieden „nah“ oder „fern“ abgespeichert und können dementsprechend schneller oder langsamer aktiviert werden. Zwischen den Begriffen sind verschiedene Beziehungsmuster/Relationen möglich. So werden die Relationen „ist/hat“, „ist nicht/hat nicht“ und Prädikatsrelationen (z.B. frisst, baut) angenommen.

 

 

Problemlöseprozesse

Beim Problemlösen oder dem Lernen durch Einsicht geht es um das Ausdenken von neuen, noch nicht bekannten Regeln.

Der Problemlöseprozess kann je nach Ausrichtung verstanden werden als

  • Umstrukturieren oder Umorganisieren

  • Bilden von Gestalten und Ganzheiten

  • inneres Probehandeln

  • Klassifizieren

  • Analysieren

  • Schlussfolgern

 

Theorien der Problemlösung

Die Assoziationstheorie versteht das Problemlöseverhalten als Versuchs- und Irrtums-Verhalten. Die jeweils (durch Lernprozess erworbene) dominante Reaktion auf einen Reiz setzt sich dabei durch. Kommt sie nicht zum Erfolg, wird sie abgeschwächt. Die nun dominanten Reaktionen können dann ausprobiert werden.

In der Gestaltpsychologie wird der Problemlöseprozess als ein Umstrukturieren, Bilden neuer Gestalten, verstanden. Nach der Vorbereitungsphase, in der innerlich, ohne bewusste Denkvorgänge das Problem bearbeitet wird, bis dann in der Erleuchtungsphase eine Idee im Bewusstsein aufblitzt (Aha-Erlebnis), um dann in der anschließenden Verifikationsphase entweder als richtig bestätigt oder als falsch verworfen zu werden.

Weitere Theorien zum Problemlösen finden sich in der Informationsverarbeitungstheorie (s.u.)

Exkurs: Problemschwierigkeit
Die Problemschwierigkeit hängt zum einen von Problemmerkmalen, zum andern von Personenmerkmalen ab.  Die Problemmerkmale können dabei untergliedert werden in Merkmale des Problemumfangs und der Problemkomplexität (letztere mit den Aspekten: Variablenzahl, Vernetztheit, Ersichtlichkeit, Eigendynamik und Transparenz).  Bei den Personenmerkmalen, die dazu führen, dass ein Problem als schwer oder leicht erlebt wird, sind das Faktenwissen und das Operatorenwissen jeweils mit den Aspekten Umfang, Struktur und Verfügbarkeit zu nennen. In den Aspekt der verfügbarkeit gehen dabei auch motivationale Aspekte ein, wenn z.B. keine Anstrenung zum Finden der Lösung unternommen wird. Sind die verschiedenen Merkmale für ein Problem bekannt, kann man durch ihre Veränderung helfen, einem Menschen, der mit einer Problemlösung nicht zurechtkommt, die Problemschwierigkeit für ihn zu verringern. So kann z.B. versucht werden, die Variablenzahl zu minimieren, bestimmtes nicht vorhandenes Faktenwissen mitzuteilen....

 

 

Informationsverarbeitung

Die Informationsverarbeitung stellt einen in den 80er Jahren entwickelten Ansatz zum Verstehen der Denkprozesse dar. Mit Hilfe der Informationsverarbeitungstheorie hat man also versucht, Prozesse wie die Merkmalsanalyse bei der Begriffsbildung oder Problemlöseprozesseanders zu beschreiben, indem aufgeführt wird, wie -angenommenerweise- die Informationen durch die Sinnesorgane aufgenommen werden, weitergeleitet, entschlüsselt und intern bearbeitet werden und wie letztlich aufgrund der Bearbeitung Reaktionen ausgewählt und ausgelöst werden.

Im Bereich der Problemlöseprozesse wurde z.B. angenommen, dass die Informationen in einem sogenannten „Arbeitsgedächtnis“ bearbeitet werden. Das Arbeitsgedächtnis löst hierbei den Begriff des Kurzzeitgedächtnisses ab. Informationen im Arbeitsgedächtnis können flexibel kombiniert werden. Nach dem SPIV-Modell von Hussy, einem spezifischen Informationsverarbeitungsmodell, werden je nach Verarbeitungsphase bei der Problemlösung verschiedene Strukturen aktiviert, wie z.B. epistemische Struktur (Faktenwissen) heuristische Struktur (Operatorenwissen) und Evaluative Struktur (Bewertung).

 

 

Aufmerksamkeit

 
Unter Aufmerksamkeit wird das Beobachten von relevanter (wichtiger) und Negieren von irrelevanter (unwichtiger) Information verstanden.

Das Individuum nimmt immer nur einen Bruchteil der Informationen, die auf es von der äußeren und inneren Umgebung einströmen, wahr. Mittel Aufmerksamkeitsprozessen werden spezifischeInformationen aus der Informationsflut ausgefiltert. Aufmerksamkeitsprozesse steuern also sie Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung.

Aufmerksamkeit ist ein Zustand gesteigerter Wachheit und Aufnahmebereitschaft. Sie kann willentlich auf einen Gegenstand gerichtet werden oder unwillkürlich durch starke reize erregt werden.

Im folgenden soll ein Modell der Aufmerksamkeitsforschung näher dargestellt werden:

 

Aufmerksamkeits-Verteilungsmodell (allocation model) von Kahnemann

Kahnemann nimmt an, dass wir für unsere Aufmerksamkeitsressourcen eine begrenzte Gesamtkapazität haben. Je nach den Bedingungen kann dabei die Gesamtkapazität auf unterschiedliche Aufgaben verteilt werden oder nur teilweise in Anspruch genommen werden. Die Ausführung mehrerer aufmerksamkeitsfordernder Prozesse kann auch die Gesamtkapazität uuml;berfordern.

Die Verteilung der Aufmerksamkeit wird beeinflusst durch:

  • überdauernde Dispositionen (die die unbewusste Aufmerksamkeitsregulierung bestimmen)

  • die momentane Absicht

  • die subjektive Beurteilung der kognitiven Anforderung bzw. Des Aufwandes

  • Auswirkung äußerer Stressoren (z.B. Lärm, äußere Stressoren wirken dabei auf den Grad der Aktivation ein.)

Man kann zwischen kontrollierten und automatischen Prozessen unterscheiden. Eine Aufmerksamkeitszuwendung ist nur für kontrollierte Prozesse nötig. Automatische Prozesse bedürfen keiner Aufmerksamkeit. Durch Übung können kontrollierte Prozesse in automatische Prozesse überführt werden.

  • Ein Beispiel hierfür ist das Autofahren. Beginnt man es zu lernen, bedarf jede Handlung der Aufmerksamkeit. Die einzelnen Handlungen, z.B. Kupplung treten, schalten, Kupplung lösen müssen bewußt durchgeführt werden. Soll der Fahrschüler dann noch während des Kuppelns lenken und um die Ecke fahren, fühlt er sich schnell überfordert. Der routinierte Autofahrer braucht für diese Handlungen, die nun automatisiert sind, kein Aufmerksamkeit mehr und kann gleichzeitig noch dem Beifahrer eine Antwort auf ein Frage geben usw.

Literatur:

Vergleiche:

Hussy, Walther,  1986,  Denkpsychologie, Ein Lehrbuch, Kohlhammer Verlag 

    Allgmeienes Übersichtsbuch zur Denkpsychologie, in dem Buch finden Sie auch Quellenangaben für die beschriebenen Modelle