Sie sind hier

Gesprächsführung

Gesprächsführung

 

I.)   Grundlagen zum Modell

II.)   Probleme des andern - aktives Zuhören

III.)   Eigene Probleme - Kongruenz 

IV.)   Umgang mit Interessenskonflikten - die niederlaglose Mehode 

Exkurs zur Positiven Familienpsychotherapie nach Peseschkian         

V.)   Vorbereitung auf schwierige Gesprächssituationen

 

I.) Grundlagen des Modells

Ein Gespräch findet dann statt, wenn Menschen da sind, die sich unterhalten:

- da ist einmal "ich" und "der andere / du",

- und dann ist das "was" oder über auf was wir reden: die Nachricht.

Aus den Bestandteilen Ich, der Andere, die Nachricht lässt sich ein einfaches Kommunikations­modell aufstellen:

Ich --  Nachricht -- der andere

 

Wenn ich etwas sage, sende ich eine Nachricht und werde damit zum Sender der Nachricht. Der andere nimmt die Nachricht auf, er ist der Empfänger. Oder der andere sagt etwas, dann ist er der Sender und ich der Empfänger.

 

 

Sender   Empfänger
 ich  Nachricht  der andere
  Empfänger    Sender

 

 
 
 

 

An welchen Stellen kann es nun in einem Gespräch zu Missverständnissen und Störungen kommen? Bleiben wir bei unserem einfachen Modell. Hier können drei Formen von Störungen unterschieden werden:

 

  • Probleme beim Zuhören und Empfangen einer Nachricht:

 

Es wird nicht richtig mit zugehört, wenn der andere von Problemen berichtet, stattdessen wird über das Problem des andern hinweg geredet.

 

  • Problem beim Senden einer Nachricht

 

Ich habe ein Problem. Vielleicht rückte ich mit der Sprache nicht raus und schlucke meinen Ärger, meine Enttäuschung oder was sonst mich bewegt herunter. Es rumort in mir weiter und ich kann nicht mehr auf den Lauf des Gespräches eingehen. Oder ich Platze derart mit meinem Problem heraus, dass beim Andern die Alarmglocken läuten, er sich zurückzieht oder zum Gegenangriff übergeht

 

  • Probleme mit der Darstellung, der sachlichen Seite der Nachricht

 

Es habert an der Nachricht selbst. Sie ist schwer verständlich. Die Sätze sind lang und verschachtelt. Es wimmelt von Fremdworten. Der rote Faden ist im Gesagten schwer zu finden. Alles wird kompliziert ausgedrückt.

 

Wir werden uns im Folgenden vor allem mit den Problemen beim Empfang und beim Senden beschäftigten. Wir können auch sagen, wir beschäftigen uns mit den kommunikativen Prozessen, wenn der andere von einem Problem berichtet und wenn ich selbst ein Problem einbringen will.

- Wenn der andere von einem Problem berichtet, bin ich als Empfänger einer Nachricht gefragt: Es geht ums Zuhören.

- Wenn ich ein Problem habe, bin ich als Sender einer Nachricht gefragt: Wie und was von meinem Problem anteilig dem anderen mit?

 

II.)Wenn der ein Problem hat - aktives Zuhören

 

Wir verständigen uns mit der Sprache. Wir erzählen dem andern durch Worte, was uns bewegt. Wir übersetzen unsere Botschaft in Worte, in einer Nachricht. Es gibt mehrere Worte oder Sätze, um das Erlebte zu beschreiben. Wir müssen auswählen und uns entscheiden:. Wie berichten wir von dem, was wir als Botschaft senden möchte? Wir verschlüsseln unsere Botschaft in Worte (und Gesten). Der andere, der die Worte hört, hat sie wieder zu entschlüsseln; er versucht zu verstehen, welche Botschaft mit den Wörtern ausgedrückt werden sollte.
 

Sender     Empfänger
  Botschaft Worte/Nachricht  entschlüsselte Botschaft
 Sorge, Hilflosigkeit  Was soll ich mit A. tun?  Sie fühlt sich hilflos.

Häufig fehlen uns die richtigen Worte, um unsere Gefühle auszudrücken. Oder wir trauen uns nicht zu sagen, dass Sie uns los ist, aus Angst nicht ernst genommen zu werden, andere zu verärgern oder ausgelacht zu werden. Oder will wissen gar nicht genau, was wir fühlen können es auch so nicht klar äußern. Viele Missverständnisse zwischen den Gesprächspartnern entstehen, wenn die zu Grunde liegenden Botschaften ungenau oder falsch entschlüsselt werden.
 

Botschaft    Worte/Nachricht   entschlüsselte Botschaft
 zu müde, um das Gewünschte zu tun  Kannst Du es nicht machen

Sie will mir nicht helfen.
Sie mag mich nicht. 

     
Eine Nachricht kann nach Schulz von Thun unter vier Blickwinkeln betrachtet werden.

 

  • Erstens kann die Botschaft rein auf ihren Sachaspekt oder objektiven Informationsgehalt hin betrachtet werden.

 

Beispiel: Wenn der andere zu mir sagt: " Du, da hinten auf den Tisch steht Saft"wäre der informative Inhalt der Nachricht: auf dem Tisch, der hinten ist steht Saft.

 

  • Zweitens kann die Nachricht unter dem Blickwinkel des Appells gesehen werden. Ich spreche zu dem andern nicht ohne Absicht. Ich möchte etwas: Zum Beispiel dass der andere etwas tut oder unterlässt, oder auch " nur " dass dass er mir zuhört und mir seine Aufmerksamkeit schenkt.

 

Beispiel: der Satz: " Du, der hinten auf dem Tisch steht Saft " kann als Aufforderung aufgefasst werden, die Flasche Saft zu holen.

Die höflich formulierte Frage "Haben Sie eine Uhr?" wird in der Regel nicht mit Ja oder Nein beantwortet, was die korrekte Antwort wäre, wenn man auf den reinen Sachverhalt der Nachricht antwortet, sondern mit der Mitteilung der Uhrzeit. Man reagiert auf den indirekten Appell der Frage: " Sage mir die Uhrzeit. "

 

  •   Drittens kann die Nachricht unter dem Blickwinkel der Beziehung betrachtet werden. Die Art und Weise, in die ich etwas sage, sagt aus in welcher Beziehung ich mich dem andern gegenüber sehe. Zum Chef rede ich anderes als zum Kleinkind. Ich lese aus der Nachricht heraus, die der andere nicht sieht.

 

Beispiel: Der Satz "Du, da hinten auf dem Tisch, steht Saft " könnte unter dem Beziehungsaspekt z.B. verstanden werden als: " Ich bin doch nicht dein Sklave, hol dir selber, was du brauchst. " - oder, wenn man es zu einer fremden Person sagt: " Fühle dich wie zu Hause. Du brauchst nicht zu fragen, nimmt ihr was du brauchst. "

 

  • Viertens kann eine Nachricht auch gesehen werden oder dem Aspekt der Selbstoffenbarung des Sprechers. Was sagt er mir über sich, indem er das gesagt?

 

Beispiel:Der Satz dann "Du, da hinten auf den Tisch steht Saft" könnte verstanden werden als: " Ich möchte jetzt nicht ausstehen und die Flasche Saft holen " oder " Ich habe Durst ".

 

Kommunikationsmodell nach Schultz v. Thun

 

 

 

Beim aktiven Zuhören hat der Empfänger der Nachricht ein großes Ohr für die Selbstoffenbarung des Sprechers. Aktives Zuhören ist dann sinnvoll, wenn der andere mir von einem Problem berichtet, welches er hat. Ich unterstütze ihn dann durch aktives Zuhören, dass es sich über seine Situation besser klar werden kann. Diese Selbstklärung ist Voraussetzung dafür, dass der andere sich entscheiden kann, was er nun angesichts eines Problems tun möchte. Eine Entscheidung kann auch sein, dass der andere sich "nur" aussprechen möchte ohne gleich handeln zu müssen.

Im Aktiven Zuhören wird

  - im ersten Schritt versucht den Bedeutungsinhalt einer Botschaft zu verstehen. Was an der Botschaft genau ist dem anderen wichtig? Was bewegt ihn, dass er mir das sagt?

 

- im zweiten Schritt wird dem andern dann zurück gemeldet, was ich von seiner Botschaft verstanden habe.

 

Es gibt verschiedene Formen der Rückmeldungen beim aktiven Zuhören. Einige formal unterschiedlichen Möglichkeiten des aktiven Zuhören sind:

- wörtliche Wiederholung der Worte

- das Gesagte mit anderen Worte wiederholen (z.B. für: Ich war feige - Du konntest den Mut nicht aufbringen). Das Gesagte kann mit Worten von gleicher Bedeutung (Synonyme) oder mit Worten gegenteilige Bedeutung (Antonyme) umschrieben werden.

- Beschreibung der Gefühle und Empfindungen, die aus ich aus dem Gesagten verstehe. Aufmerksamkeit für nonverbale Botschaften und Körpersprache helfen, um die die Empfindung des andern nachvollziehbar zu machen (z.B.: A. sagt mit Tränen in den Augen ich war feige. - Das tut ihnen sehr weh.)

- Beschreibung dessen, was ich sehe und erlebe (z.B.: Sie sagen es mit Tränen in den Augen.)

 

Beim aktiven Zuhören werden keine guten Ratschläge erteilt. Es wird nicht belehrt oder analysiert. Es geht einzig darum, den andern mit zu zuhören und zu verstehen. Das aktive Zuhören ist ein Beziehungsangebot, in dem der andere als Partner ernst genommen wird.

Das aktive Zuhören ermöglicht und regt dazu an, dass der andere sich mit seinem Problem auseinander setzen kann. Bei anderen Reaktionsformen - wie Drohen Raten, Vorschläge machen, Strafen, Informieren - bekommt der andere sein Problem aus der Hand genommen. Eine eigene, kreative Problemlösungen wird ihm dadurch erschwert.

Voraussetzung zum aktiven Zuhören ist

- das Zutrauen, dass der andere seine Probleme selber lösen kann,

-und die Gewissheit, dass er sie auch nur selber lösen kann.

  Beim aktiven Zuhören höre ich zu "als ob" es meine eigenen Gefühle wären, die mein Gegenüber erzählt. Ich höre mit zu " als ob" - dabei bleibe ich aber ich selber und höre mir auch selber mit zu. (dazu dann mehr unter dem Stichwort Kongruenz).

 

 

III.)Wenn ich ein Problem habe - Kongruenz

 

Mit Kongruenz ist eine Offenheit und Ehrlichkeit gemeint, die sich

- zum einen auf mich selber,

- zum anderen auf mein Gesprächspartner bezieht.

Wenn ich mich kongruent verhalte, bin ich bei allem Geschehen um mich herum, bei mi und hören mir selber mit zu. Zum Beispiel bin ich aufmerksam dafür, ob ich ärgerlich werde, ermüde, erleichtert bin... Ich achte darauf wie es mich bewegt und trifft, wenn der andere mir von seinem Problem erzählt.

Wenn ich auf Störungen in mir stoße, frage ich mich: Ist es etwas, das im Augenblick angesprochen werden sollte? Hat die Störung einen starken, eventuell nicht kontrollierbaren Einfluss auf die Beziehung zu meinem Gegenüber? Oder ist sie für mich zu behalten, kann die Störung warten, kann ich sie kontrollieren? Der professionelle Berater hat in solchen Augenblicken zu entscheiden, ob das Ansprechen des eigenen Problems gut für die Beziehung und den Gesprächsverlauf ist oder eher stören und schaden wird.

Es gibt unterschiedliche Formen, Probleme anzusprechen:

-Ich nenne konkret, was mir ein Problem in der Beziehung bereitet. Ich sage zum Beispiel welches Verhalten des andern bei mir welche Gefühle und Affekte hervorruft.

-Ich sage, dass ich ein Problem habe ohne es näher zu bezeichnen.Ich erlebe es als mein Problem oder erlebe jetzt nicht den Ort und Zeit günstig, es zu besprechen. Ich kann das Problem aber auch nicht beiseite legen. Ich sage dann zum Beispiel: Es tut mir Leid möchte Ihnen wirklich gerne zuhören, aber ich kann mich augenblicklich nur noch schwer konzentrieren. (Vielleicht auch: Ich möchte betonen, dass es nicht ihre Schuld ist, dass ich mich nicht mehr so gut konzentrieren kann). An diese Mitteilung könnte zum Beispiel auch der Wunsch angefügt werden, das Gespräch nun zu beenden und es zu einem anderen Zeitpunkt fortzusetzen.

- Wenn es mir schwer fällt ein Problem anzusprechen, weil ich befürchte den anderen zu verletzen, kann ich auch dies ansprechen. Diese oben beschriebene Form Probleme anzusprechen, wir als Ich-Botschaft bezeichnet. Ich sage hierbei etwas über mich aus. Im Alltag sprechen wir jedoch häufig, wenn wir ein Problem haben, in so genannten Du-Botschaften. Wir sagen etwas über den anderen aus, fordern ihn zu etwas auf oder beschweren uns, anstatt darüber zu sprechen, was in uns passiert. Z.B. sagen wir: Du sollst nicht immer so spät kommen - oder - Du bist einfach unmöglich. Die Du-Botschaft greift den andern an und bringt ihn in eine Verteidigungshaltung. Ein Gespräch über das eigentliche Problem wird erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. Stattdessen wird nun darum gekämpft, wer Recht hat und seine Position verteidigen kann.

Wenn ich nun ein Problem habe und mit dem anderen darüber sprechen möchte, empfiehlt sich daher die Ich-Botschaft. Ich versuche durch sie dem andern deutlich zu machen, worin das Problem für mich besteht. Ich erkläre ihm dadurch meine Situation und helfe ihm, meine Lage zu verstehen. Die Ich-Botschaft erleichtert es dem andern meine Nachricht unter dem Blickwinkel der Selbstoffenbarung zu verstehen. Er wird sich dadurch weniger angegriffen fühlen. So ist ein Gespräch über die eigentliche Problematik Situation erleichtert

   

 Beispiele für Du-Botschaft und  Ich-Botschaften in Problemsituationen:
 Du-Botschaft  Ich Botschaft
 Du sollst nicht immer zu spät kommen.  Ich verliere viel Zeit, wenn ich auf ich warte.ch werde nervös und befürchte nicht mehr meine anderen
Aufgaben erledigen zu können.
 Sprechen sie in einem andern Ton mit mir.  Wenn Sie laut mit Nachdruck sprechen, fühle ich mich gemaßregelt wie ein kleines Kind, und ich kann Ihnen nicht mehr gut zuhören.

 
Eine hilfreiche Ich-Botschaft besteht aus drei Bestandteilen:

1. das konkrete Verhalten und Ereignis, welches stört

2. die Gefühle, die dadurch ausgelöst werden,

3. den Effekt, der aus der Situation entsteht.

Die Nennung des konkreten Verhaltens lässt den andern wissen, was genau ein Problem für mich darstellt. Nur, wenn gewusst wird, was bei mir eine Störung verursacht, kann es verändert werden. Die Nennung des eigenen Gefühls beschreibt dem andern die eigene Betroffenheit. Sie zeigt wie an die Beschreibung des Effektes dem andern welches Ausmaß das Problem für mich hat.

Auch durch noch so gut formulierte Ich-Botschaften kann der andere sich irritiert fühlen. Er kann sich trotzdem angegriffen fühlen, sich zurückziehen oder zurückschlagen. Das Ansprechen des eigenen Problem ihm gegenüber kann für ihn zu einem Problem werden. (Wenn es hier ist für den, der das ursprüngliche Problem hat möglich ist und er sein Problem zurückstellen kann, kann es hilfreich sein jetzt auf aktives Zuhören umzuschalten und zu verstehen, warum es für den Empfänger zum Problem wird. Wenn das Problem des Gegenübers besprochen ist, sollte jedoch nicht vergessen werden das eigene Problem, wenn es weiter besteht; wieder mittels einer Ich-Botschaft anzusprechen. Gute Zuhörer sind sich ehrlich gegenüber. Sie vergessen sich selbst nicht, sind auch Anwälte für ihre eigenes Problem. Das Umschalten von ich-Botschaft auf aktives Zuhören ist eine der schwierigen Aufgaben des professionellen Mitarbeiters Erziehers oder Beraters)

Übrigens kann auch das Senden von Du-Botschaften in manchen Situation akzeptabel sein, wenn man selber noch nicht genügend Einsicht in sich selbst hat, um zu verstehen woher Problem kommt, und gleichzeitig die Beziehung derart gefestigt erlebt, dass der ander sich nicht gleich verletzt erlebt. Hier kann das Senden einer Du-Botschaft zum Aufrütteln, Alarm schlagen dienen.

Ich Botschaften zu äußern, ist nicht immer einfach. Wir gehen damit ein Risiko ein, da wir dem anderen von uns berichten. Wir offenbaren dem andern etwas von uns und sind so verletzlich und angreifbar. Ich-Botschaften erfordern also den Mut zum Risiko. Sie fallen uns leicht in Beziehungen, in denen wir uns sicher fühlen. In Beziehungen, in den andauernd die Machtfrage gestellt wird und der andere die Gelegenheit nutzt, einem das Wort im Munde umzudrehen oder anzugreifen, sollte genau überlegt werden, was man wirklich dem anderen von sich offenbaren möchte. In Situationen, in denen ein großes Autoritätsverhältnis besteht, und man sich selbst als Unterlegener und unsicher in der Beziehung fühlt, können Ich-Botschaften zur Entblößung führen.

In seinem verwandten Konzept der gewaltfreien Kommunikation beschreibt M. B. Rosenberg (in deutscher Übersetzung 2007), wie mittels einfühlendem Verstehen für sich und den andern neue Verstehens- und Begegnungswege ermöglicht werden. Die vier Komponenten der gewaltfreien Kommunikation beinhalten:
- Beobachtung dessen, was wirklich geschieht (also konkrete auf die Situation bezogene Beschreibung)
- Gefühle: aussprechen was gefühlt wird (dabei beachten, dass wirklich Gefühle und nicht Gedanken, Interpretationen oder Wertungen geäußert werden),
- Bedürfnisse: Benennung der eigenen Bedürfnisse, die hinter den Gefühlen stehen
- Bitten: wobei Bitten konkrete Wünsche ansprechen sollen (z.B. auch nicht "ich will nicht, dass Du ..." sondern "Ich wünsche mir, wenn Du .. tätest...) weiter sollen Bitten Bitten sein und keine versteckte Foderungen. Dem andern wird die Wahl gelassen, ob er sie erfüllen will.
Eine Äußerung, die alle 4 Komponenten enthält könnte z.B. lauten: "Felix, ich ärgere mich, wenn ich zwei zusammengerollte schmutzige Socken unter dem Kaffeetisch sehe und noch drei neben dem Fernseher, weil ich in den Räumen, die wir benutzen mehr Ordnung brauche .." (und mich so nicht wohlfühlen kann (Ergänzung v. Z-L)  "...Würdest Du bitte Deine Socken in Dein Zimmer oder in die Waschmaschine tun?" (Rosenberg, 2007, S.25).
Indem in der Kommunikation die eigenen Gefühle und Bedürfnisse benannt werden, übernimmt der Sprecher  die Veranwortung für sein  eigenes Tun. Die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation mit den vier Komponeneten werden auch im Verstehen des andern angewendet , so z.B. wenn versucht wird zu verstehen, welchje Gefühle und Bedürfnisse hinter den Äußerungen des andern liegen.

 

IV.) Umgang mit Interessenkonflikten -

         die niederlaglose Methode nach Gordon

 

Bei Interessenkonflikten, wenn der eine etwas anderes möchte als der andere, reagieren wir oft nach der Devise "entweder - oder". Entweder wir machen das, was du willst, oder das, was ich will. Entweder gibst Du nach, oder ich. Entwedesiegst Du oder ich? Nur einer von uns hat Recht oder kann gewinnen. Wenn wir nach dieser Richtlinie handeln, versuchen wir den Konflikt mit Macht zu lösen. Wer ist der Stärkere?

Bei der niederlaglose Methode gibt es, wie es der Name beschreibt, keine Verlierer sondern nur Gewinner. Voraussetzung zur Anwendung der Methode ist jedoch, dass jeder der Beteiligten ein wirkliches Interesse hat, den Konflikt beizulegen. Bevor die Methode zum ersten Mal angewendet wird, sollte sie erklärt werden. Dies gibt jedem die Möglichkeit die einzelnen Schritte zu verstehen. Auch muss genug Zeit und Raum sein, dass ein ausführliches Gespräch geführt werden kann.

Das Vorgehen bei der niederlaglose Methode kann in sechs Teilschritte untergliedert werden:

1. Schritt: Der Konflikt wird genau beschrieben

Jeder am Konflikt Beteiligte beschreibt, was ihn stört, was er braucht und welche Veränderung er sich wünscht. Fragen zum Verständnis dessen, was der andere sagt sind jederzeit erlaubt, jedoch nicht eine Kritik oder eine Diskussion über die Richtigkeit des Gesagten. Es ist dabei wichtig, dass jeder seine Bedürfnisse offen äußert und sie nicht um des Friedens willens zurückhält.

2. Schritt: Es werden Lösungen zu dem Konflikt gesucht, wobei diese nicht bewertet werden.

Alle Beteiligten sind nun aufgefordert, sich Lösung für den Konflikt auzudenken, in denen die genannten Bedürfnisse und Wünsche berücksichtigt werden. Es sollte dabei immer mehr als nur eine Lösung gesucht werden! Lassen sich Zeit. Wenn man nachdenkt, ist erstaunlich wieviele Lösung es gibt. Gleichgültig wie illusorisch die Vorschläge klingen, sie werden alle ohne Wertung aufgeschrieben. Gerade auch illusorische Lösungen können Anregungen für realitische Vorschläge geben. Die Person, die normalerweise bestimmt, sollte sich mit eigenen Ideen vorerst zurückhalten, da sonst die Gefahr besteht, dass die anderen wie gewohnt sich nach ihren Vorschlägen richten. Die Erzieher lassen also die Kinder die ersten Vorschläge machen, der Vorgesetzte die Unterstellten.

3. Schritt: Die Lösungen werden reflektiert und bewertet:

Erst wenn mehrere Lösungen gefunden wurden, sollten sie bewertet werden. Die Vorschläge werden danach beurteilt, ob sie die genannten Bedürfnisse der Beteiligten berücksichtigen, ob sie durchführbar sind und keine Folgeprobleme nach sich ziehen.

4. Schritt: es setzt sich für die beste annehmbare Lösung entschieden.

Erst im vierten Schritt wird sich für die Annahme eines Vorschlages entschieden! Es ist dabei sicherzustellen, dass jeder Beteiligte mit dem Vorschlag einverstanden ist. Nicht die Mehrheit entscheidet oder der stark nach, jeder hat ein Vetorecht. wird kein Vorschlag gefunden, den alle annehmen können sind neue Lösungen zu suchen. (Falls ein Beteiligter immer wieder eine Lösung blockiert, kann es sein, dass er entweder sich noch nicht wirklich gehört fühlt oder er kein Interesse an der Beilegung des Konflikts hat.)

5. Schritt: Wege zur Ausführung der Lösung werden arbeitet.

Wenn sich für eine Lösung entschieden wurde, ist auf notwendig sie zu konkretisieren. Es kann zum Beispiel gefragt werden, wer wann welche Aufgaben übernimmt?

6. Schritt: Im Rückblick wird die gefundene Lösung erneut bewertet.

Einige Zeit nach dem die Lösung praktiziert wurde, ist sie sinnvoll sich zusammen zu finden und zu überlegen, inwieweit die gefundene Lösung funktionierte. Wenn die Lösung scheiterte versuchen sie die Gründe hierfür herauszufinden. Das Erkennen der Fehler hilft sie bei der nächsten Konfliktlösung zu vermeiden.

Je häufiger die niederlaglose Methode bei Interessenkonflikten angewendet wird, um so schneller und produktiver kann sie durchgeführt werden. Aktives Zuhören und Ich-Botschaften sind genauso gefragt wie bei den anderen Problemgesprächen. Die Beteiligten lernen bei der niederlaglosen Methode, dass es keine Verlierer zu geben braucht und jeder ein Recht hat, dass auf ihn Rücksicht genommen wird. Da alle Beteiligten an der Lösung mitgearbeitet haben, ist sie für den einzelnen verbindlicher und wird er eingehalten.

Mit der Methode wird sicher nicht für jeden Konflikt eine Lösung gefunden werden können. Manchmal scheitert die Lösung des Konflikts daran, dass nicht alle Beteiligten ein Interesse an seiner Beilegung haben. Bei anderen Konflikten stehen sich Interessen und Vorstellungen weiterhin gegensätzlich gegenüber. Das gemeinsamen Gespräch, die Beschreibung der Bedürfnisse und das gemeinsame nach Suchen nach einer Lösung hilft jedoch die Verhaltensweise des anderen zu verstehen und besser anzunehmen. Manchmal passiert es dann auch, dass sie einen nicht gelöster Konflikt später von ganz alleine löst. durch das Gespräch wurden die ersten Fronten aufgeweicht.

 

Exkurs: Positive Familienpsychotherapie nach Nossrat Peseschkian

Peseschkian schlägt eine Gesprächsklärung von Fragen und Problemen in 5 Stufen vor:

1.) Zuhören: der Vortragende erzählt, die anderen hören zu

2.) Fragen stellen der andern zu dem Gehörten

3.) Ermutigung: Hierbei sollen u.a. auch die positiven Seiten der schwierigen Frage gefunden und gewürdigt werden, wie z.B. bei Schüchternheit: die Fähigkeit, bescheiden zu sein, vielleicht auch  zuhören zu können, bei Dominanz: die Fähigkeit und der Mut sich zu zeigen z.B.

4.) Motivklärung: Herausfinden , was das, die Motive der Beteiligten nd Betroffenen sind

5.) Wegweisendes, Hinausgehendes: Was habe ich aus dem Erlebten, der Krise, Berabeitung der Fragestellung gelernt? Was kann ich mitnehmen? Was war mir wichtig?

 

V.) Vorbereitung auf schwierige Gesprächssituationen

Folgende Fragen sind bei der Vorbereitung schwieriger Gesprächssituation hilfreich:

1.) Was möchte ich mit dem Gespräch erreichen? Was möchte ich mitteilen? Oder wozu möchte ich etwas erfahren?

2.) Was könnte meine Mitteilung für den andern bedeuten?

3.) Was befürchte ich? Warum glaube ich, dass das Gespräch schwierig werden könnte? Welche Probleme könnten in dem Gespräch auftauchen? Wodurch könnten sie entstehen?

4.) Wie könnte ich auf mögliche Probleme reagieren?

5.) Wie bereite ich das Gespräch organisatorisch vor? (Zeit, Ort, Vermeidung von Störungen)

Bei schwierigeren Gesprächen kann es auch sinnvoll sein, sich zu überlegen, was das Mindestziel ist, was man erreichen will, und was sozusagen das Topziel. Das Mindestziel bei einem schwierigen Gespräch könnte zum Beispiel sein, dass ich dem andern meine Meinung und Sicht dargestellt habe. Mein Top- oder Idealziel könnte dann, sein dass wir zu einer einvernehmlichen Lösung kommen. Die Unterteilung zwischen Mindest-Ziel und Top-Ziel ermöglicht es, sich in den Gesprächssituationen weniger unter Druck zu fühlen. Das Mindestziel ist das Ziel dass sich mindestens erreichen kann, man könnte es auch das Rückzugsziel nennen, auf das ich zurückgreifen kann, wenn das Gespräch nicht wie erwartet läuft. Beim Topziel ist meistens nötig, dass der andere auf mein Ziel eingeht, es dann auch will. Verlange ich von mir immer nur das Erreichen eines Topziels, kann ich sehr schnell frustriert und ausgebrannt werden. ich beachte dann zu wenig, dass die Zielerreichung gegebenenfalls nicht nur von meiner eigenen Person abhängig ist.

Folgende Rahmenbedingungen können Gespräche erschweren:

- Lärm, Unruhe, Störung durch Telefonate

- Übermacht von hochrangigen Autoritätspersonen

- Anwesenheit von stillen, unvertrauten Beobachtern

- frontal Sitzordnung, trennender Schreibtisch

- ein Gesprächspartner kann vom andern schlecht gesehen werden

- abgewandte Körperhaltung

- starrer Blickkontakt oder kein Blickkontakt

- Beschäftigung mitanderen (nebenbei Akten sortieren)

- unpassende Raumatmosphäre, (z.B. privates Gespräch in Turnhallenatmosphäre)

 

Folgende Aspekte begünstigen nun das Führen von Gesprächen:

- Ruhe, Zeit für das Gespräch,

- akzeptierende annehmende Grundhaltung dem andern gegenüber

- zugewandte Körperhaltung,

- fließender und flexibler Blickkontakt

. Stühle imn 45 bis60 Grad Winkel angeordnet (bei kleinere Personenzahl)

- zum Gesprächsthema passende Raumatmosphäre.

Und nun wünsche ich viel Erfolg und Freude beim Führen von Gesprächen.

 

 

Literaturhinweise: u.a.

Gordon, T. 1970, Familienkonferenz, Heyne verlag 

Schulz von Thun, F. 1981, Miteinander reden Band 1 Rowohlt Taschenbuch Verlag  

Marshall B. Rosenberg 2007 Gewaltfreie Kommunikation Junfermann