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EMDR

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)

 

Die EMDR-Methode ist vor allem als Ansatz zur Behandlung von Traumatisierungen und Posttraumatischen Belastungsstörungen bekannt.

 

Eye Movement Desensitization and Reprocessing heißt dabei übersetzt: "Augenbewegung Desensibilierung und Neustrukturierung". Wieso die Methode diesen - zugegeben etwas holprigen - Namen bekommen hat, kann man aus der Art der nun beschriebenen Methodenanwendung verstehen

 

Unter traumatischen Bedingungen geschieht die Bearbeitung von Informationen im menschlichen Gehirn und Nervensystem anders als bei normaler nicht-traumatischer Informationsverarbeitung. So werden z.B. andere Gehirnareale durchblutet, verschiedene  Transmitter (Botenstoffen) im Gehirn stärker oder geringer als bei sonstiger Informationsverarbeitung ausgeschüttet. Durch diese Art der Verarbeitung soll wohl  zum einen eine Überflutung des Gehirns mit traumatischer Erfahrung verhindert werden, zum andern werden dadurch aber auch die Informationen über das traumatische Geschehen quasi "eingefroren"  und können nicht weiter bearbeitet werden. So können auch interne Verarbeitungsprozesse, die bewirken, dass wir ein Erleben als beendet erleben, nicht greifen, und die traumatisierte Person hat den Eindruck, weiter in Gefahr zu schweben, auch wenn keine "reale" äußere Gefahr mehr besteht. So drängen sich z.B. Bilder, Geräusche, Gefühle, Gedanken und andere Eindrücke  aus dem Traumaerleben immer wieder auf,  werden negative Empfindungen, Wiedererleben der Traumasituation, Bilder u.ä. durch sogenannte Trigger (Auslöser, die mit dem Traumageschehen verbunden sind) hervorgerufen. 

 

Bei der EMDR-Methode wird nun versucht, durch eine  wechselseitige bilaterale Stimulation des Gehirns, d.h. der linken wie der rechten Gehirnhälfte, Zugang zu den eingefrorenen Anteilen im Gehirn und den neuronalen Netzwerken zu öffnen, und dadurch eine Verarbeitung zu ermöglichen. So wird die unter Trauma leidende Person  nach entsprechender Vorbereitung z.B. aufgefordert mit den Augen den Fingerbewegungen des Therapeuten zu folgen und sich gleichzeitig die kritischen Anteile des Traumageschehen zu vergegenwärtigen. Hierdurch kann eine spontane Selbstheilung des Gehirns angeregt werden. Die unter Trauma leidende Person wird zudem in dem Selbstheilungsprozess durch spezifische Fragen während der Anwendung unterstützt. Während der therapeutischen Arbeit kann dabei u.a. -  je nach Person und spezifischen Traumaerleben - zuvor eingefrorene Empfindungen abreagiert werden, das Traumaerleben immer mehr in den Hintergrund treten  und verblassen, neue Erkenntnisse auftauchen, positive Gedanken und Empfindungen entstehen. Erfahrungen zufolge ist diese Methode - bei fachgerechter Anwendung - sehr wirksam und  führt zu einer schnellen Erleichterung. Die bilaterale Stimulation kann dabei auch über akustische  oder taktile Signale erfolgen. Zu beachten ist, dass natürlich nicht nur die Augenbewegungen sondern das gesamte Setting im therapeutischen Geschehen die  hilfreichen Effekte  bewirken und im Vorfeld auch auf eine gute Stabilsierung zu achten ist.
Neben dem Standardverfahren wurden über die Jahre hinweg weitere Variationen entwickelt, durch die sich das Maß der Belastung bei der Traumakonfrontation verändern und reduzieren lässt oder auch eine Vorbereitung auf künftige schwierige Situationen möglich ist. Weiter kann die bilaterale Stimulation benutzt werden, um eigene Ressourcen zu aktivieren und diese zur Verbesserung der eigenen Fähigkeiten bei Krisenbewältihung zu verankern. 
Neben der Bearbeitung traumatischer Erfahrungen kann EMDR auch hilfreich bei  traumatischer Trauer, Phobien und Anpassungsstörungen eingesetzt werden und auch zur Vorbereitung auf zukünftige schwierige Ereignisse dienen.

 

EMDR ist übrigens nicht mit Hypnose gleichzusetzen. Bei EMDR werden keine Veränderung des Bewusstseinszustandes, wie bei der Hypnose angestrebt, sondern es geht darum eine Verarbeitung und Integration der mit dem Trauma verbundenen Emotionen und Empfindungen zu erzielen.

 

Die Methode wurde von Frau Francine Shapiro entwickelt. Sie entdeckte bei einem Spaziergang, während dem sie sich stark von eigenen depressiven und ängstigenden Gedanken an ihre Krebserkrankungen belastet fühlte, wie sich ihre Augen unwillkürlich schnell hin und her bewegten und sie infolge dessen eine überraschende Erleichterung verspürte. Vielleicht passieren solche Augenbewegungen auch unwillkürlich im Schlaf, da gerade in der Traumphase des nächtlichen Schlafes, der zur Verarbeitung des Erlebten dient, gehäuft Augenbewegungen auftauchen (beim sogenannten REM-Schlaf, hierbei steht REM für rapid eye movement = schnelle Augenbewegung). 

weitere Information zu EMDR u.a in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/EMDR

Bei der Zeitschrift "Gehirn und Geist" ist ein Artikel zu EMDR (als kostenlose Leseprobe  Stand 5.1.2014) als PDF-Datei  für den persönlichen Eigengebrauch herunterladbar: http://www.gehirn-und-geist.de/alias/therapie/die-macht-der-augenblicke/...

Ein kurzes Video zu EMDR von EMDRIA (Fachverband für EMDR) finden Sie unter folgenden Link: http://vimeo.com/107451758 (mit freundlicher Genehmigung des Verweisen auf den Link von Herrn Dr. Hase, Emdria)