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Menschenbilder

Menschenbilder in psychologischen Theorien

 

Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass die folgenden Zitate natürlich nur eine von mir getroffene Auswahl der Äußerungen der Urväter der Psychotherapie darstellen. Auch ist festzustellen, dass die Theorien zu den Psychotherapien im Wandel begriffen sind und die heutigen Vertreter der einzelnen Richtungen oft ganz andere, veränderte Menschenbilder haben. Grundsätzlich erlebe ich es aber für wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, welches Menschenbild hinter der eigenen Theorie verborgen sein kann.

(Der Text war ursprünglich als ein Arbeitspapier für Heilerziehungspflegeschüler konzipiert und beschränkt sich daher auf die laut Lehrplan durchzunehmenden Theoretiker und Theorien)

 

 

frühe Psychoanalyse (nach Freud)

 

- Der Mensch ist ein Energiesystem, gelenkt von sexuellen und aggressiven Trieben (...); er funktioniert nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten, ist sich aber oft der Kräfte nicht bewußt, die sein Verhalten bestimmen und ist grundsätzlich im Konflikt mit den Einschränkungen, welche die Gesellschaft seinen Triebäußerungen auferlegt. (Sigmund Freud)

- Man möchte sagen: Die Absicht, daß der Mensch glücklich ist, ist im Plan derSchöpfung nicht enthalten.“ (Sigmund Freud)

- zum Instanzenmodell: Man könnte das Verhältnis des Ich zum Es mit dem des Reiters zu seinem Pferd vergleichen. Das Pferd gibt die Energie für die Lokomotion her, der Reiter hat das Vorrecht, das Ziel zu bestimmen, die Bewegung des starken Tieres zu leiten. Aber zwischen Ich und Es ereignet sich allzu häufig der nicht ideale Fall, daß der Reiter das Roß dahin führen muß, wohin es gehen will. (Sigmund Freud).

- Wo Es war soll Ich werden. (Sigmund Freud).

 

 

klassische Lerntheorie:

 

- Ich möchte noch einen Schritt weitergehen und sagen: "Geben sie mir ein Dutzend gesunder Kinder, wohlgebildet, und meine eigene besondere Welt, in der ich sie erziehe! Ich garantiere Ihnen, daß ich blindlings eines davon auswähle und es zum Vertreter irgendeines Berufes erziehe, sei es Arzt, Richter, Künstler, Kaufmann, oder auch Bettler, Dieb, ohne Rücksicht auf Talente, Neigungen, Fähigkeiten, Anlagen, Rassen oder Vorfahren. (Aus J.B. Watson, 1930, Behaviorismus, Deutsche Verlags-Anstalt, S.134-135)

- ..."Ich streite ab, daß es etwas wie die Freiheit überhaupt gibt?...Wenn es nun in unserer Macht steht, eine Situation zu schaffen, die jemand mag oder eine fernzuhalten, die jemand nicht mag, dann können wir sein Verhalten lenken. Verhält er sich so, wie wir wünschen, daß er sich verhalten möge, so schaffen wir einfach eine Situation, die er mag, oder beheben eine, die er nicht mag. Infolgedessen steigt die Wahrscheinlichkeit, daß er sich in dieser Weise verhält - und das ist es eben, was wir wollen. Der Fachausdruck ist dafür positive Verstärkung. ... Wir können eine Art Aufsicht ausüben, unter der die Beaufsichtigten sich frei fühlen, obgleich sie einem Kodex gehorchen, der viel genauer ist, als es je zuvor in dem alten System der Fall war. Dennoch fühlen sie sich frei. Sie tun, was sie zu tun wünschen, nicht was ihnen auferlegt wird. Das ist die Wurzel, der ungeheuren Kraft, die in der positiven Verstärkung liegt - hier gibt es kein Sträuben und keine Revolte. Durch eine sorgsam ausgearbeitete Kulturaufsicht überwachen und lenken wir nicht das definitive Verhalten, sondern die Voraus­setzungen dazu - die Motive, Wünsche, Neigungen. (B.F.Skinner, Futurum Zwei Walden Two Rowohlt-Verlag, S. 232 - 237)

 

 

Personenzentrierter Ansatz (Gesprächspsychotherapie)

 

- Eine der revolutionärsten Einsichten, die sich aus unserer klinischen Erfahrung entwickelt hat, ist die wachsende Erkenntnis: der innerste Kern der menschlichen Natur, die am tiefsten liegenden Schichten seiner Persönlichkeit die Grundlage seiner Natur ist von Natur aus positiv, von Natur aus sozial, vorwärtsgerichtet, rational und realistisch. (S. 99-100,s.u.)

... Ich möchte in diesem Punkt nicht mißverstanden werden. Ich habe kein euphorisches Bild von der menschlichen Natur. Ich weiß, daß Individuen aus Abwehr und innerer Angst sich unglaub­lich grausam, destruktiv, unreif, regressiv, asozial und schädlich verhalten können. Es ist dennoch einer der erfrischensten und belebensten Aspekte meiner Erfahrung, mit solchen Individuen zu arbeiten und die starken positiven Richtungsneigungen zu entdecken, die sich auf den tiefsten Ebenen bei ihnen wie bei uns allen finden. (S. 42; Rogers, C. 1961. Entwicklung der Persönlichkeit, Konzepte der Humanwissenschaften)

- Jedes Individuum existiert in einer ständig sich verändernden Welt der Erfahrung, deren Mittelpunkt es ist. (Carl Rogers)

- Das gute Leben ist ein Prozeß, kein Daseinszustand. Es ist eine Richtung, kein Ziel.(Carl Rogers)

- Ich bin überzeugt, daß dieser Prozeß des guten Lebens kein Leben für die Kleinmütigen ist. Er enthält ein Ausdehnen und ein Wachsen der Entwicklung zu einem Sein, in dem man zunehmend seine eigenen Möglichkeiten ist. Der Mut zum Sein ist darin einbegriffen.“ (Carl Rogers)

- Das Selbst zu sein, das man in Wahrheit ist! (Carl Rogers).